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Verkehrskonzeption

Plan

1. Überörtliche Maßnahmen

Im Regionalverkehrsplan des Verbandes Region Stuttgart [1] ist im Raum Waldenbuch als verkehrsbedeutsame Maßnahme Nr. 147 lediglich die Verlängerung der K 1057 bis zur L 1185 in Schönaich als "Trassenfreihaltung" genannt. Eine Umweltverträglichkeitsstudie im Zusammenhang mit einer Verkehrsuntersuchung hat ergeben, dass diese Maßnahme nur dann verkehrswirksam sein kann, wenn gleichzeitig die K 1074 (Holzgerlingen - Schönaich) über das Gewann "Happach" zur K 1048 (Neuweiler) geführt wird. Die jetzige K 1074 steht also dem Verkehr nicht mehr zur Verfügung. Da überdies die Trasse über ein FFH - Gebiet führen würde, ist die Maßnahme Nr. 147 eher langfristig zu sehen und bis zum Planungshorizont ca. 2020 sicherlich nicht realisiert. Außerdem ist darauf aufmerksam zu machen, dass die genannten Maßnahmen für die Stadt Waldenbuch bedeuten, dass Verkehrsrelationen, die heute über die L 1208 - Nord (Stuttgarter Straße) verlaufen, lediglich auf die L 1185 - West (Straßenzug Alfred-Ritter-Straße / Gartenstraße) umverteilt werden.

Einer Verkehrsuntersuchung der Gemeinde Schönaich [2] ist zu entnehmen, dass der Straßenzug der K 1057 - K 1051 zwischen 1998 und 2005 eine enorme Verkehrszunahme erfahren hat, die im Gesamtquerschnitt der K 1057 (Panzerkaserne / Böblingen / A 81) mit 25,6 % und der K 1051 (Steinenbronn) mit 50,4% beziffert werden kann. Offensichtlich hat sich durch die permanenten Stauerscheinungen auf der L 1208 (Ortsdurchfahrt Echterdingen), der B 27 und der B 464 eine "Regionalachse" aufgebaut, die darüber hinaus von Einkaufsverkehren von und nach Sindelfingen (Breuningerland, IKEA, Stern - Center), aber auch von berufsorientierten Fahrten überlagert werden. Für die innerstädtischen Maßnahmen der Stadt Waldenbuch sollte mithin davon ausgegangen werden, dass sich nach [3] bis zum Planungshorizont ca. 2020 eine Verkehrszunahme im Bestandsnetz von etwa 17% ergibt.

2. Innerstädtische Maßnahmen

2.1 Städtebauliche Gesichtspunkte

Die Stadt Waldenbuch besitzt mit dem Museum für Volkskultur im Waldenbucher Schloß (Außenstelle des Württembergischen Landesmuseums) und dem Ende September 2005 eröffneten Museum Ritter zwei überregional bedeutsame Kulturstätten. Im Rahmen der Grobanalyse für das geplante Sanierungsgebiet Alfred-Ritter-Straße / Neuer Weg [4] wurde herausgearbeitet, dass

  • dem neuen Museum Ritter durch seine Lage westlich der Firma Ritter eine Verbindung zur Altstadt fehlt;
  • die trennende Wirkung des Straßenzuges Stuttgarter Straße - Tübinger Straße (L 1208) die Fußgängerverbindung beeinträchtigt;
  • der Knotenpunktsbereich L 1208 / Auf dem Graben/Alfred-Ritter-Straße seine Funktion als Stadteingang nicht wahrnehmen kann.

Die Konzeption der URBA Architektenpartnerschaft Keinath und Dr. Dietl [4] sieht deshalb vor, eine "Kulturachse" zwischen dem Museum Ritter und dem Altstadteingang "Auf dem Graben" vorzusehen, wobei im Einzelnen vorgesehen sind:

  • Optische Führung der Alfred-Ritter-Straße durch eine flankierende Allee mit Auftakt am Stadteingang inkl. "Kunstparcours"
  •  Verkehrsberuhigung der Alfred-Ritter-Straße zwischen Gartenstraße und Aichbrücke und Herausnahme des Individualverkehrs zwischen Aichbrücke und Tübinger Straße (Grundstückszufahrten sind möglich)
  • Sicherer und attraktiver Fußgängerüberweg in Verlängerung der Alfred-Ritter-Straße.

2.2 Verkehrliche Beurteilung

2.2.1 Vorbemerkungen

Nach [3] ergibt sich, dass zukünftig (Planungshorizont ca. 2020) die Knotenpunkte

  • L 1208 / L 1185 - Ost (Nürtingen Straße)
  • L 1208 / L 1185 - West (Gartenstraße)
  • L 1208 / Querverbindung zur Echterdinger Straße

nicht mehr im freien Verkehrsfluss betrieben werden können, da sie die Qualitätsstufen F (ungenügend) und E (mangelhaft) aufweisen.

Deshalb wurde die Leistungsfähigkeit von Kreisverkehrsplätzen nachgewiesen, die auch für die Knotenpunkte

  • L 1208 / K 1050
  • L 1208 / Auf dem Graben

die Qualitätsstufe A (sehr gute Verkehrsqualität) ergeben haben. Lediglich für den Knotenpunkt L 1208 / L 1185 - West (Tübinger Straße / Stuttgarter Straße / Gartenstraße) erhält man zukünftig Qualitätsstufe B mit guten Verkehrsbedingungen [3]. In Beachtung der städtebaulichen Zielsetzung nach [4] und der zusätzlichen Möglichkeit, über einen Kreisverkehrsplatz L 1208 / K 1050 / Im Seitenbach auch ein Parkdeck anbinden zu können, wurde eine Konzeption entwickelt, die zwei Kreisverkehrsplätze vorsieht, wobei sowohl die Straße "Auf dem Graben - West" wie auch die Alfred-Ritter-Straße nur noch von Rechtsabbiegern und Rechtseinbiegern benutzt werden können [5]. An den vorgesehenen Kreisverkehrsplätzen L 1208 / K 1050 / Im Seitenbach / Zuwegung Parkdeck und L 1208 / L 1185 - West ergeben sich somit Umkehrfahrten, die mit 110 Pkw-E/h und 61 Pkw-E/h für die maßgebende Spitzenstunde am Nachmittag bestimmt wurden [6].

Die anschließenden Leistungsfähigkeitsberechnungen haben zum Ergebnis, dass der Kreisverkehrsplatz L 1208 / K 1050 / Im Seitenbach / Zuwegung Parkdeck mit Qualitätsstufe A (ausgezeichnete Verkehrsbedingungen) und der Kreisverkehrsplatz L 1208 / L 1185 - West mit Qualitätsstufe B (gute Verkehrsqualität) betrieben werden können. Die aufgezeigte Lösung hat den Vorteil, dass die Fahrbahnbreite der Tübinger Straße auf 6,50 m reduziert und der wichtigste Stadteingang städtebaulich deutlich aufgewertet werden kann. Ein Fußgängerüberweg ("Zebrastreifen") schafft zusätzlich eine gute Verbindung von der Alfred-Ritter-Straße zum Platzraum vor dem Gasthaus Rössle.

2.2.2 Wesentliche Eigenschaften von Kreisverkehrsplätzen

a) Verkehrssicherheit
Kreisverkehre sind sehr sichere Straßenverkehrsanlagen für alle Verkehrsteilnehmer. Unfälle mit Personenschaden treten selten auf. Maßgebend hierfür sind folgende Zusammenhänge:

  • Ein vierarmiger Kreisverkehr hat im Gegensatz zu einer Kreuzung mit 32 nur 8 Konfliktpunkte, an denen sich die Wege der verschiedenen Verkehrsteilnehmer überschneiden. Es entfallen insbesondere Mehrfachkonflikte und die unfallträchtigen Kreuzungs- sowie Linksabbiege- und Linkseinbiegevorgänge. Die Ein- und Ausfahrvorgänge sind gleichgerichtet zum bevorrechtigten Kraftfahrzeugverkehr auf der Kreisfahrbahn.

Konflikte an einem Kreisverkehr und einer Kreuzung

Knotenpunkttyp Verkehrsregelung Unfallkostenrate UKR
(DM / 1000 Kfz)
Kreuzung mit Verkehrszeichen VZ 103
Kreuzung mit LSA (2-phasig) LSA 105
Kreuzung mit LSA (3- oder mehrphasig) LSA 53
Teilplanfreie Kreuzung VZ 52
Halbes Kleeblatt VZ 30
Kreuzung mit ortsfester
Geschwindigkeitsüberwachung
VZ 29
Kleiner Kreisverkehr VZ 20

Sicherheitsvergleich von Knotenpunkten

  • Ein Kreisverkehr ist wegen der Kreisinsel in der Regel gut als Knotenpunkt erkennbar. Die Vorrangregelungen sind für alle Verkehrsteilnehmer klar begreifbar. Von den Kraftfahrern werden immer nur einfache Entscheidungen verlangt. Analog zu Einmündungen an Außenkurven sind die Sichtbeziehungen günstig.
  • Das geringe Geschwindigkeitsniveau sowie die geringeren Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Verkehrsteilnehmern reduzieren die Unfallschwere. An Kreisverkehren wird langsamer gefahren als an anderen Knotenpunkten der Grundformen mit Bevorrechtigung einer Straße. Kreisverkehre haben auch auf die davor- und dahinterliegenden Streckenabschnitte eine geschwindigkeitsdämpfende Wirkung, die sich jedoch auf den Nahbereich beschränkt. Das Geschwindigkeitsniveau steigt mit zunehmendem Außendurchmesser und großen Ausrundungsradien zwar leicht an, bleibt aber insgesamt niedrig.

Fußgänger und Radfahrer profitieren von den geringen Geschwindigkeiten des Kraftfahrzeugverkehrs, vom dadurch bedingten kooperativen Verkehrsverhalten, von den vergleichsweise einfachen und übersichtlichen Verkehrsverhältnissen sowie von den kurzen Überquerungswegen.

b) Qualität des Verkehrsablaufs
Auf die Qualitätsstufen der beiden Kreisverkehrsplätze (QSV A, QSV B) wurde bereits eingegangen.
Da die Knotenpunktarme in der Regel Fahrbahnteiler aufweisen, müssen Fußgänger beim Überqueren jeweils nur von einer Seite mit Kraftfahrzeugverkehr rechnen.

c) Orientierung und Befahrbarkeit
Kreisverkehre können die Orientierung im Straßennetz verbessern, weil sie für Ortsfremde leicht erkennbare Bezugspunkte sind. Durch die geringen Geschwindigkeiten können die Wegweiser an den Kreisausfahrten gut wahrgenommen werden. Die gute Wendemöglichkeit an Kreisverkehren ermöglicht auf den anschließenden Streckenabschnitten eine vorteilhafte Trennung der Richtungsfahrbahnen, vor allem innerhalb bebauter Gebiete.

d) Umfeldverträglichkeit
Für die Anlage von Kreisverkehren ist in der Regel weniger Fläche zu versiegeln als für gleich leistungsfähige plangleiche Kreuzungen mit Abbiegestreifen. Kreisverkehre führen insbesondere in Zeiten schwacher Verkehrsbelastungen, beispielsweise bei Nacht (ca. 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr) zu günstigeren Lärmemissionen gegenüber vergleichbaren Knotenpunktgrundformen. Gegenüber Knotenpunkten mit Lichtsignalanlage ist von einer um 2 bis 3 dB(A) geringeren Lärmemission auszugehen. Auch der Kraftstoffverbrauch und damit die Schadstoffemissionen könne vermindert werden. Ursache dafür sind die geringen Geschwindigkeiten, die gleichmäßigere Fahrweise sowie die geringeren Wartezeiten und die vermiedenen Haltevorgänge.

e) Akzeptanz
Kreisverkehre werden von der überwiegenden Mehrheit der Verkehrsteilnehmer und der Anwohner positiv aufgenommen. Aus verkehrlicher Sicht finden insbesondere die erhöhte Verkehrssicherheit sowie der als angenehm und stetig empfundene Verkehrsablauf mit geringen Wartezeiten Zustimmung.

2.2.3 Mehrwege

Bei der Umgestaltung der L 1208 mit zwei Kreisverkehrsplätzen und der baulichen Regelung mit ausschließlich Rechtsabbiegern und Rechtseinbiegern (Straße "Auf dem Graben - West" und Alfred-Ritter-Straße) kann befürchtet werden, dass die erforderlichen Mehrwege für die zukünftig ca. 61 Pkw-E/h (Kreisverkehr L 1208 / L 1185 - West) und ca. 110 Pkw-E/h (Kreisverkehr L 1208 / K 1050 / Im Seitenbach / Zuwegung Parkdeck) von Teilen der Verkehrsteilnehmer nicht angenommen und andere Fahrtrouten gewählt werden. Zunächst ist festzustellen, dass sich bei der Realisierung der Umgestaltung der L 1208 für den zufließenden Verkehr aus Richtung Weilerbergstraße / Tübinger Straße - Süd zur Straße "Auf dem Graben - West" nichts oder nur sehr wenig ändert, ebenso für den abfließenden Verkehr von der Straße"„Auf dem Graben - West" in Fahrtrichtung Stuttgarter Straße / Gartenstraße. Folglich muss lediglich der abfließende Verkehr in Fahrtrichtung Weilerbergstraße / Tübinger Straße - Süd sowie der zufließende Verkehr aus Fahrtrichtung Gartenstraße / Stuttgarter Straße zur Straße "Auf dem Graben - West" berücksichtigt werden.

Gegenüber dem heutigen Zustand betragen die Mehrwege:

  • Abfließender Verkehr in Fahrtrichtung Weilerbergstr. / Tübinger Straße - Süd: ca. 280 m
  • Zufließender Verkehr aus Fahrtrichtung Gartenstr. / Stuttgarter Straße: ca. 165 m

Eine Alternativfahrtroute vom Gasthof Rössle für den abfließenden Verkehr in Fahrtrichtung Weilerbergstraße / südliche Tübinger Straße kann über den Straßenzug Neuer Weg - Vordere Seestraße - Marktstraße - Auf dem Graben - Ost - Nürtinger Straße - Stuttgarter Straße - Tübinger Straße erfolgen oder hilfsweise über die verkehrsberuhigte Marktstraße. Die Länge dieser Alternativroute beträgt über Neuer Weg - Vordere Seestraße - etc. ca. 1.180 m, über die Marktstraße ca. 1.100 m. Schon allein diese Gegenüberstellung macht deutlich, dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass vom Verkehrsteilnehmer ca. 900 m (bzw. 820 m mit einer teilweisen Reisegeschwindigkeit von 7 km/h) überhaupt angenommen werden.

2.2.4 Längerfristige verkehrliche Maßnahmen

Schon unter Punkt 2.2.1 wurde darauf hingewiesen, dass auch die Knotenpunkte (L 1208 / L 1185 - Ost (Stuttgarter Straße / Nürtinger Straße) und L 1208 / Querverbindung zur Echterdingen Straße zukünftig nicht mehr im freien Verkehrsfluss betrieben werden können.

Die Belastungen in [Pkw-E/h] ergeben für den Planungshorizont ca. 2020 folgendes Bild:

Insbesondere auf die relativ starken Linkseinbiegevorgänge (242 Pkw-E/h und 174 Pkw-E/h) wird hingewiesen. Folgt man der Konzeption, dass die Nürtinger Straße (L 1185-Ost) im Rahmen einer möglichen Neubebauung des Farrenstall - Areals zwischen der ESSO - Tankstelle und dem Knotenpunkt L 1185 - Ost / Echterdinger Straße / Auf dem Graben "abgehängt" wird und nur noch als Grundstückszufahrt dient, muss die L 1185 - Ost über die Echterdinger Straße zur Stuttgarter Straße (L 1208) geführt werden.

Eine mögliche Knotenpunktlösung mit einem vierarmigen Kreisverkehr L 1208/L 1185 - Ost / K 1053 wird nachfolgend aufgezeigt:

Die Leistungsfähigkeit für diesen Kreisverkehrsplatz muss noch nachgewiesen werden, weil die Verkehrsnachfragewerte für die K 1053 (Echterdinger Straße - Nord) fehlen. In diesem Zusammenhang muss auch geprüft werden, ob der "Eckabschneideverkeh" von der Nürtinger Straße über die Liebenaustraße zur nördlichen Echterdinger Straße (K 1053) mit der Weiterfahrt über die K 1051 nach Steinenbronn (und umgekehrt) durch bauliche und betriebliche Maßnahmen wirksam eingeschränkt werden kann.

Aufgestellt: Ludwigsburg, 29.05.2008
Dipl.-Ing- Dieter H. Stahl
Beratender Ingenieur

Literaturnachweise

[1] Verband Region Stuttgart, Regionalverkehrsplan Region Stuttgart Stuttgart 2001
[2] Stahl und Partner, Verkehrsuntersuchung Gemeinde Schönaich Ludwigsburg 2005
[3] Stahl und Partner, Verkehrsuntersuchung Stadt Waldenbuch (im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart) Ludwigsburg 2006
[4] URBA Architektenpartnerschaft Keinath und Dr. Dietl, Grobanalyse geplantes Sanierungsgebiet Alfred-Ritter-Straße / Neuer Weg Stadt Waldenbuch Stuttgart 2005
[5] Auwärter und Rebmann, Studie zur Umgestaltung der Ortsdurchfahrt L 1208 Böblingen 2007
[6] Stahl und Partner, Leistungsfähigkeitsberechnungen Kreisverkehre Ludwigsburg 2007

Ansprechpartnerin

Frau Katharina Jacob

Ordnungsamtsleiterin

Bild des persönlichen Kontakts Frau Jacob
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