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Verkehrskonzeption

Der Gemeinderat befasste sich letztmalig in seiner Sitzung am 14. Juli 2020 mit dem Verkehrskonzept 2030. Damit sich Gemeinderat und Bürgerschaft einen umfassenden Überblick verschaffen können, hat die Stadtverwaltung den komplexen Sachverhalt anhand von vier Themenbereichen umfassend aufgearbeitet:

Hierbei liegen folgende Rahmenbedingungen zugrunde:

  1. Die aktuelle Verkehrssituation im Bereich der L1208/ L1185 weist erhebliche Mängel auf und ist nicht mehr zukunftsfähig.
  2. Sofern die Stadt Waldenbuch keine Lösung erarbeitet, wird das Regierungspräsidium Stuttgart den Einbau einer Lichtsignalanlage an der Kreuzung Stuttgarter Str./ Nürtinger Str. in Erwägung ziehen.
  3. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat geplant, in den nächsten Jahren aufgrund des schlechten Zustands eine Fahrbahndeckensanierung in der Nürtinger Straße durchzuführen.
  4. Wunsch des Gemeinderates war stets, eine schlüssige Gesamtlösung für den gesamten Innenstadtbereich und die stark belasteten Hauptverkehrsstraßen zu erarbeiten.
  5. Ebenfalls ist gewünscht, möglichst einheitliche Geschwindigkeitsbeschränkungen auszuweisen.
  6. Damit ergeben sich auch für die aktuellen bzw. zukünftigen Bewohner wesentliche Lebens- und Wohnraumqualitäten bei bestehenden Immobilien oder neu zu planenden Vorhaben für die ein Bebauungsplanaufstellungsbeschluss bereits vom Gemeinderat gefasst wurde.

I. Verkehr

1. Verkehrsuntersuchung durch die Ingenieur Gesellschaft Verkehr, Ludwigsburg

Bereits Anfang des Jahres 2018 wurde das Büro IGV mit der Verkehrsuntersuchung für das Verkehrskonzept 2030 beauftragt. Hierzu wurden im April 2018 Verkehrszählungen an den Knotenpunkten im Innenstadtbereich durchgeführt.

Für die Prognose 2030 wurden die im Flächennutzungsplan 2030 eingeplanten Wohn- und Gewerbegebietserweiterungen einbezogen. Außerdem wurden alle kurz- und mittelfristig geplanten Nachverdichtungen im innerstädtischen Bereich mitberücksichtigt. Auch die aktuell von der Firma Ritter Sport geplante Erweiterung im Gewerbegebiet Bonholz ist bereits in diesen Untersuchungen einbezogen worden.

Weiterhin lagen der Untersuchung die prognostizierten Einwohnerentwicklungen der Nachbargemeinden Steinenbronn, Weil im Schönbuch, Dettenhausen, Aichtal, Filderstadt, sowie der Referenzwert für den Landkreis Böblingen zugrunde.

Fazit der Verkehrsuntersuchung durch IGV war, dass durch das geplante Gesamtkonzept zufriedenstellende Qualitätsstufen erzielt werden können.

2. Verkehrssimulation

Eine detailliertere Betrachtung der Qualitätsstufen und des Verkehrsflusses kann jedoch eine Verkehrssimulation bieten. Daher wurde im Frühjahr 2020 zusätzlich das Büro brenner BERNARD ingenieure GmbH mit der Durchführung einer Verkehrssimulation für

Planungsfall 1: Einbau einer Lichtsignalanlage mit Linksabbiegerspur an der Kreuzung Stuttgarter Straße/ Nürtinger Straße

Planungsfall 2: Neubau eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Stuttgarter Straße/ Echterdinger Straße

Prognoseplanfälle

Zur Prüfung der Verkehrszahlen aus dem Jahr 2018 wurden Anfang Juli weitere Verkehrserhebungen durchgeführt, die neben der Nachmittagsspitze auch einen genaueren Überblick über die Verkehrszahlen in den Morgenstunden geben sollen.

II. Stadtplanung

Der Altstadtkern Waldenbuchs befindet sich in einer Zeit des Wandels. Im September 2019 wurde das Sanierungsgebiet "Erweiterter Altstadtkern" vom Gemeinderat beschlossen. Die Fördersumme in Höhe von 1 Mio € fließt sowohl in die Sanierung der markanten Gebäudezeile Vordere/Hintere Seestraße, als auch in die Sanierung privater Gebäude in dem Bereich. Zur Sicherung einer hochwertigen städtebaulichen Planung hat der Gemeinderat sowohl für die Bereiche "Stuttgarter Straße/ Steinenbergweg" als auch für den Bereich "Nürtinger Straße Nord" Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungsplanverfahren beschlossen. Ziel beider Verfahren ist es, die markanten Ortseingänge einer hochwertigen und zukunftsorientierten Städteplanung zuzuführen.

Durch die Umsetzung der Gesamtverkehrskonzeption ergeben sich aus städtebaulicher Sicht wesentliche Vorzüge:

  • Der neue Straßenverlauf der Haupterschließung entspricht dem historischen Straßenverlauf
  • Neue Gestaltung der Ortsdurchfahrt: gestalterische Aufwertungen möglich, z.B. durch Schaffung grüner Akzente
  • Gliedernde Wirkung der Straßenräume, Schaffung von räumlichen Kanten
  • Hauptverkehrsfluss erfolgt über den Kreisverkehr
    • Verkehrsberuhigung der Nürtinger Straße (von der Kronenkreuzung bis zur Esso-Tankstelle)
    • Entwicklungsmöglichkeit einer verkehrsberuhigten Fußgängerpassage
    • Stärkung des Einzelhandels
    • Verbesserung der Aufenthaltsqualität in dem Bereich
  • Historische Gebäude (Gasthof Krone) werden durch die Schaffung eines Vorplatzes aufgewertet - schlüssige Verbindung des Bereichs zum Altstadtkern
  • Steigerung der Wohnattraktivität in dem Bereich (Kronenquartier)

Der Neubau der Lichtsignalanlage hingegen bietet keine städtebauliche Aufwertung. Neben Linksabbiegerkonflikten sind Probleme im Bereich der Rückstaulängen zu befürchten. Unnötige Rückstaulängen führen zu einer Unattraktivierung der Gesamtstadt. Auch der Bereich des Gasthof Krone/ Kronenquartier erfährt keine Verkehrsberuhigung und damit keine städtebauliche Aufwertung. Vielmehr ist zu befürchten, dass die Parksituation am Kronenquartier durch Rückstau der Lichtsignalanlage erheblich verschlechtert wird.

III. Straßenplanung

1. Übersicht der Planung der Bauabschnitte 1-5

Bauabschnitt 4c

  • Verlegung der Gehwegflächen auf die andere Fahrbahnseite
    • Mehr Gehwegbreite für Fußgänger
    • Größerer Abstand der bestehenden Wohnbebauung zur Fahrbahn  Lärmschutz für die Anwohner
  • Einbau des Verkehrsteilers
    • Geschwindigkeitsreduzierung
    • Sichere Querungsmöglichkeit für Fußgänger am Ortsausgang

Bauabschnitt 4a+4b

Verlegung der Bushaltestellen und der Fußgängerampel

  • Sichere Querungsmöglichkeit für die Fahrgäste des ÖPNV aus beiden Richtungen
  • Mehr Aufstellfläche an der Ampel für Schülerinnen und Schüler
  • Sicherheitsgewinn für den Schulweg zur Oskar-Schwenk-Schule
  • Barrierefreie Bushaltestellen

Bauabschnitt 3

Änderung der Vorfahrtsberechtigung der Kronenkreuzung (siehe neue Entwurfsvariante)

  • Besserer Verkehrsfluss der Nürtinger Straße/ Echterdinger Straße
  • Möglichkeit der Ausweisung von Tempo 30 für den gesamten Bereich im Zuge des Gesamtverkehrskonzepts

Bauabschnitt 5

Umwidmung der Nürtinger Straße von der Esso-Tankstelle bis zur Kronenkreuzung

  • Städtebaulich ansprechende Neugestaltung des Areals
  • Bessere Abwicklung des An- und Abfahrtverkehrs der Geschäft

Bauabschnitt 2

  • Anordnung von Tempo 30 durch die Verkehrsbehörde im Zuge des Gesamtverkehrskonzepts
  • Neuordnung der Gehwege
  • ggf. Querungsmöglichkeit an der Langen Steige

Bauabschnitt 1

Neubau des Kreisverkehrs

  • Sichere Querungsmöglichkeit an allen Armen des Kreisverkehrs
  • Verstetigung des Verkehrsflusses
  • Temporeduzierung durch Unterbrechung der Straße

2. Entwurfsvariante Kronenkreuzung

Die bei der Stadtverwaltung eingegangen und im Gemeinderat am 30.06.2020 behandelten Prüfaufträge wurde u.a. der Wunsch geäußert, an der Kronenkreuzung das Linksabbiegen in die Straße Auf dem Graben zu ermöglichen. Nach verschiedenen Abwägungen in Absprache mit dem Regierungspräsidium Stuttgart, konnte den Mitgliedern des Gemeinderats in der Sitzung eine Handskizze zu einer möglichen neuen Verkehrssituation vorgestellt werden.
Auf Basis dieser Handskizze hat das Büro KMB in Absprache mit dem Regierungspräsidium Stuttgart die in Anlage 1 dargestellte Entwurfsskizze ausgearbeitet.
Vorteil dieser Planung ist das Zusammenfassen der Fahrbeziehungen "Auf dem Graben" und "Nürtinger Straße West" mit einer Einbindung auf die vorfahrtsberechtigte L 1185 Nürtinger Straße.
Hierbei ist nun das Linksabbiegen in die Nürtinger Straße West und in die Straße Auf dem Graben möglich.
Das Regierungspräsidium Stuttgart sieht in dieser Variante eine Verbesserung zur bisherigen Planung und schlägt ein gemeinsames Abstimmungsgespräch mit der Verkehrsbehörde des Landratsamt Böblingen, dem Ingenieurbüro KMB und der Stadt vor. Hierbei soll auch nochmals der Fußgängerüberweg an der Langen Steige durch die geänderte Situation vorgestellt und mögliche Parkflächen entlang der Gänswiese besprochen werden.

Nach einer ersten Einschätzung des Planungsbüros führt die vorliegende Ausarbeitung der Kronenkreuzung zu keiner Kostenerhöhung der Baukosten gegenüber der bisherigen vorgestellten Planung.

3. Einbau einer Lichtsignalanlage

Die Alternative zu der vorgestellten Planung der Bauabschnitte 1-5 ist der Einbau einer Lichtsignalanlage an der Kreuzung Stuttgarter Straße/ Nürtinger Straße.

  • Bei dieser Variante wird lediglich eine Fahrbahndeckensanierung der Nürtinger Straße erfolgen, alle weiteren Bauabschnitte würden ersatzlos gestrichen.
  • Das Linksabbiegen in der Stuttgarter Straße (von Steinenbronn kommend) in die Nürtinger Straße muss weiterhin über die Echterdinger Straße erfolgen, da dies auch mit einer Lichtsignalanlage nicht ermöglicht werden kann. Bei Lenkung des Verkehrs komplett über die Stuttgarter Straße/ Nürtinger Straße mit Linksabbiegen an der Esso-Tankstelle wäre der Knotenpunkt nicht mehr leistungsfähig, da es 3-Phasen (statt nur 2-Phasen) geben müsste.
  • Damit bleibt auch die schwierige Abbiegesituation an der Kronenkreuzung weiterhin auf dem heutigen Niveau erhalten. Die Lichtsignalanlage an der Esso-Tankstelle stellt aus Sicht der Stadtverwaltung somit keine gleichwertig, vergleichbare Lösung dar.

4. Kosten

4.1 Kostenschätzung für Bauabschnitte 1-5

Bauabschnitt 4: Nürtinger Straße
4c 290.000 €
4a 455.000 €
4b 252.000 €
Gesamt 997.000 €
Bauabschnitt 3: Kronenkreuzung
Kostenschätzung 348.000 €
Bauabschnitt 5: Umgestaltung Nürtinger Straße
(zwischen Kronenkreuzung und Esso-Tankstelle)

Kostenschätzung 688.000 €
Bauabschnitt 2: Echterdinger Straße
Kostenschätzung 260.000 €
Bauabschnitt 1: Neubau Kreisverkehr
Kostenschätzung 1.725.000 €

4.2 Kostenschätzung Lichtsignalanlage

Eine erste Kostenschätzung hat ergeben, dass die Kosten für den Einbau einer Lichtsignalanlage, inkl. Wartung über 20 Jahre bei rund 200.000 € liegen.

4.3 Übernahme von Kosten durch das Land Baden-Württemberg

Es wurde bereits eine Vielzahl an Gesprächen mit den zuständigen Mitarbeitern im Regierungspräsidium Stuttgart geführt. Aktuell geht die Stadtverwaltung davon aus, dass die Kosten für den Kreisverkehr und den Verkehrsteiler nach den Ergebnissen der Lärmaktionsplanung größtenteils vom Land übernommen werden. Für Maßnahmen, die in der Baulastträgerschaft der Stadt Waldenbuch liegen, ist grundsätzlich eine Förderung von bis zu 50 % mit LGVFG Mitteln möglich.

Eine definitive Kostenzusage kann erst mit konkreter Antragstellung und bei Beschluss eines entsprechenden Konzepts erfolgen. Ein Antrag auf LGVFG-Förderung muss bis zum 31. Oktober 2020 gestellt werden.

IV. Lärm

Der Gemeinderat hat bereits im November 2019 beschlossen, im Zuge der Diskussion über das Verkehrskonzept 2030 auch den Lärmaktionsplan fortzuschreiben, um so die Verkehrssituation auch in Hinblick auf mögliche Verbesserungen im Bereich Lärm zu betrachten. Auf die vorangegangene Sitzungsvorlage 125/2020 wird hierzu verwiesen.

Das vorgestellte Gesamtverkehrskonzept mit den Bauabschnitten 1-5 hat insbesondere für die Anwohner der Nürtinger Straße und der Stuttgarter Straße Vorteile in Bezug auf Verkehrslärm.

Nürtinger Straße

  • Minderung des Verkehrslärms durch Fahrbahndeckensanierung
  • Beibehaltung von Tempo 30 durch den Lärmaktionsplan und im Zuge des Gesamtverkehrskonzepts
  • Verbesserter Verkehrsfluss
  • Verbreiterung der Gehwege und Verschiebung der Fahrbahn Richtung Aich wirkt sich positiv auf die Lärmwerte der Wohnbebauung aus
  • Wesentliche Reduzierung der Lärmwerte für die Anwohner zwischen Kronenkreuzung und Esso-Tankstelle durch die Verkehrsberuhigung

Stuttgarter Straße

  • Verbesserter Verkehrsfluss
  • Geschwindigkeitsreduzierung durch Brechung der Straße durch den Kreisverkehr

Echterdinger Straße

  • Höhere Verkehrszahlen können sich negativ auf die Lärmwerte der dortigen Wohnbebauung auswirken

Durch Einbau einer Lichtsignalanlage ergeben sich im Nahbereich (weniger als 70 m) keine positiven Auswirkungen in Bezug auf Lärmwerte. Mögliche Auswertungen werden im Zuge der RLS-90 Berechnungen geprüft.

Ausführliche Informationen zur Lärmaktionsplanung finden Sie hier

Ansprechpartnerin

Frau Katharina Jacob

Ordnungsamtsleiterin

Bild des persönlichen Kontakts "Frau Jacob"
Marktplatz 1
71111 Waldenbuch
Telefon 07157 1293-20
Fax 07157 1293-74
Gebäude: Altes Rathaus
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